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ⓘ Mediengeschichte im allgemeinen Sinn bezeichnet die historische Entwicklung der Kommunikationsmittel, insbesondere der Massenmedien. Im engeren Sinne bezeichnet ..



Mediengeschichte
                                     

ⓘ Mediengeschichte

Mediengeschichte im allgemeinen Sinn bezeichnet die historische Entwicklung der Kommunikationsmittel, insbesondere der Massenmedien. Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff die Erforschung der Mediengeschichte durch die Medienwissenschaft. Mediengeschichte ist außerdem ein Teilgebiet der Kommunikations- und Geschichtswissenschaft, wobei die Kommunikationswissenschaft auch den Begriff der "Kommunikationsgeschichte" verwendet.

Die Zugänge der Disziplinen unterscheiden sich mitunter beträchtlich, was insbesondere an dem jeweiligen Medienbegriff und methodischen Grundannahmen liegt. Je nach Medienbegriff setzen die Mediengeschichten daher teils in der Ur- und Frühgeschichte, teils mit der Erfindung des Buchdrucks oder erst mit dem Aufkommen von elektronischen Medien im 20. Jahrhundert ein.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der Massenmedien lässt sich in Programm-, Organisations-, Technik- und Rezeptionsgeschichte gliedern.

                                     

1. Geschichte der einzelnen Medien

Die Geschichte der einzelnen Medien ist unterschiedlichen Maße gut dokumentiert und erforscht. Die folgende Liste gibt einen Überblick über Artikel zur chronologischen Entwicklung der Medien von der Schrift bis zum Internet.

  • Geschichte des Nachrichtenwesens
  • Geschichte der Presse Presse; Geschichte der Zeitung
  • Geschichte der Telegrafie
  • Geschichte der Schrift, Geschichte der Schriftmedien
  • Geschichte der A/V-Medien
  • Geschichte des Geldes
  • erste Funkübertragung
  • Geschichte des Journalismus
  • erste Informationsübertragung Morsen
  • Geschichte der Telekommunikation
  • Geschichte des Buchdrucks
  • Entwicklung der Filmkamera
  • Geschichte der Fotografie
  • Entwicklung der Fotokamera
  • erste Übertragung von Sprache
  • Geschichte des Telefons
  • Geschichte des Computers und der digitalen Medien
  • Geschichte des Internets
  • Geschichte des Hörfunks
  • Filmgeschichte
  • Geschichte des Fernsehens
                                     

2. Wissenschaftsgeschichte

Die ersten wissenschaftlichen Studien zur Geschichte der Massenmedien kann man im späten 17. Jahrhundert ausmachen, als auch die erste Dissertation zur Zeitung entstand. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen in westlichen Ländern Bücher zu, die historische Bedeutung der gedruckten Medien untersuchten. Häufig waren sie von Journalisten verfasst, die so historisch die wichtige Bedeutung der Medien untermauerten. Zeitgleich arbeiteten Historiker etwa zur Geschichte von Flugschriften und der Presse. In den 1920er-Jahren kam es zu einer ersten akademischen Etablierung in der nun entstehenden Zeitungswissenschaft. Eine integrale Analyse der verschiedenen Medien blieb jedoch noch weitgehend aus und Studien zu einzelnen Medien überwogen auch in den folgenden Jahren. Erst seit den 1980er-Jahren nahmen Studien zu, die historische Bedeutung unterschiedlicher Medien jenseits der Einzelmedien untersuchten. Das lag sowohl daran, dass die Kommunikationswissenschaft ihren Gegenstandsbereich stärker über die Presse hinaus erweiterte als auch an der Entstehung der Medienwissenschaft aus den Film-, Theater- und Literaturwissenschaften heraus. Erst seit den 1990er-Jahren nahm auch in der Geschichtswissenschaft das Interesse an der historischen Bedeutung von Medien zu.

                                     

3. Methoden

Die Mediengeschichte wird von den einzelnen Disziplinen, aber auch innerhalb der Fächer mit recht unterschiedlichen Methoden und Schwerpunkten betrieben. Lange Zeit dominierten in Deutschland eher organisationsgeschichtliche Ansätze, die Herstellung, die Verbreitung und den Wandel einzelner Medien untersuchten. Zudem analysierte die Mediengeschichte vornehmlich die Entwicklung der Medieninhalte etwa die Darstellung von Ereignissen in der Presse oder die Inhalte von Zeitschriften u. ä. Während Film- und Medienwissenschaftler dabei eher Inhaltsanalysen einzelner Medienprodukte bevorzugen etwa einzelner Filme, führt die Kommunikationswissenschaft auch quantitative Inhaltsanalysen durch. Hinzu treten zunehmend Studien zur technischen Entwicklung der Medien, die zugleich die soziale Bedeutung von neuen Medientechniken herausstellen. Ein wichtiges, aber historisch oft schwer fassbares Feld ist die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte von Medien.

Insbesondere die Medienwissenschaften untersuchen die kulturelle Bedeutung der Medienentwicklung. Sie fragen im Anschluss an die Studien von Marshall McLuhan, wie Medien das Denken oder die Wahrnehmung in der Gesellschaft veränderten und betrachten auch die jeweilige Deutung der Medien durch die Zeitgenossen. Durch ihren weiten Medienbegriff haben diese Studien oft den Charakter von Kulturgeschichten. Selbst die Oblate oder das Feuer wird in diesen Mediengeschichten als Medium einbezogen. Werner Faulstich fasst sogar Priester, Boten oder Narren als "Menschmedium" in seiner Mediengeschichte.

Wechselwirkungen zwischen Medien- und Gesellschaftsentwicklungen interessieren vor allem die geschichtswissenschaftliche Mediengeschichte. Sie fragt besonders nach den sozialen Wirkungen, die Medien jeweils hatten, etwa im Kontext von Revolutionen, Kriegen oder Diktaturen, aber auch für soziale Normen, Rollen oder Gruppen wie für Frauen, für das städtische Leben oder kolonisierte Länder. Im Rahmen der "Visual History" analysiert sie, wie typische Bildhaushalte entstanden und historisch wirkungsmächtig wurden. Während bislang die Mediengeschichte vor allem auf einzelne westliche Länder bezogen wurde, zeichnet sich nun langsam ein international vergleichender Trend ab, der die historisch unterschiedlichen Ausprägungen zeigt und die jeweiligen interkulturellen Kontakte durch Medien verdeutlicht.

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